„Du bist behindert!“ Diesen Satz haben Sie sicher schon einmal auf dem Pausenhof oder im Klassenraum gehört. Dabei wissen die wenigstens Kinder und Jugendlichen was genau eine Behinderung ausmacht und weshalb man diesen Ausdruck besser vermeiden sollte. Die Schullektüre «Sieben Tage Mo» von Oliver Scherz gewährt den Schülerinnen und Schüler einen authentischen Einblick in die Lebenswirklichkeit einer Familie, in der ein Kind eine Behinderung hat.
Aus der Sicht von Karl – dessen Bruder Mo mit einer Behinderung geboren wurde – erleben wir neun Tage, die herausfordernde und anstrengende aber auch schöne und lustige Momente der Geschwister bereithalten. Karl ist Hin- und Hergerissen zwischen seinen Gefühlen, die von „Ich wünschte ich hätte keinen Bruder“, bis hin zu „ich bin dankbar meinen Bruder in meinem Leben zu haben!“ reichen. Die Lektüre spitzt sich zu, als Karl sich in Nida verliebt und eine Verabredung mit ihr eigentlich wieder absagen müsste, weil er den Nachmittag auf Mo aufpassen soll, da Karl und Mos Mama wie so oft im Krankenhaus einspringen muss und ihr Papa im Ausland arbeitet. Als Karl sich jedoch dafür entscheidet, Mo allein zu lassen überschlagen sich die Ereignisse und endlich suchen die Eltern von Karl und Mo Lösungen, um Karl zu entlasten.
Anknüpfung finden in der Lektüre nicht nur alle Schülerinnen und Schüler, die Geschwister haben, sondern auch all jene, deren Eltern viel arbeiten und die Jugendlichen sich mehr oder weniger selbst überlassen sind. Was einen wahren Freund ausmacht spielt ebenso wie das erste Verliebtsein eine Rolle in «Sieben Tage Mo». Sprachlich schafft es Autor Oliver Scherz ganz nah an den Figuren zu sein und die Thematik mit Humor und erfundenen Wörtern aufzulockern.
Die scheinbar schwierigen Themen des Buches können durch die Vertiefung in den blauen Seiten die Schülerinnen und Schüler an die Themen verletzende Sprache, Verantwortung und Inklusion heranführen, ohne zu belasten. Die schwarz-weißen Illustrationen von Philipp Waechter greifen die Emotionen der Szenen auf und lassen uns tiefer in die Geschichte eintauchen. Annotationen erläutern einige unbekanntere Wörter und erweitern den Wortschatz. Zusammenfassungen, Wortschatzvertiefungen und das Verstehen der Gedanken und Handlungen in der Geschichte stehen ebenso wie die kreative Auseinandersetzung mit der Lektüre im Mittelpunkt der blauen Seiten.
Nadine Hochrein ist Lese- und Literaturpädagogin und setzt sich aktiv für Leseförderung ein, sowohl analog als auch digital.



