Der Schüler Spence hat vor genau einem Jahr seine Mutter verloren. Jetzt muss er nach einer wilden Party miterleben, wie Clara bei einem Unfall ums Leben kommt. Der Schock ist riesig und Spence macht sich alle Arten von Vorwürfen. Er gerät, frei nach Nietzsche („Ewige-Wiederkunfts-Gedanke“ in: Friedrich Nietzsche, Ecce homo, Also sprach Zarathustra, 1. Abschnitt), in eine Zeitschleife, die ihn alle Eventualitäten ausgiebig prüfen lässt, mit denen er den Verlauf des Abends hätte beeinflussen und somit den Tod Claras verhindern können. Jeder dieser 10 Tagnachtträume ist immer wieder eine neue Gelegenheit, sein Verhältnis zu allen Beteiligten unter jedem Gesichtspunkt zu untersuchen. Ob diese Zeitschleifen ihm helfen werden, das Erlebte zu verarbeiten?

 

Der Roman ist in zehn Abschnitte gegliedert und die aufmerksamen Lesenden werden die Unterschiede zwischen diesen Abschnitten nicht überlesen, die ihrerseits den eigentlichen Sinn des Romans tragen und deren Entschlüsselung, die Art und Weise, wie Spence diese Geschichte erlebt, en détail erläutert.

 

Auf dem Bild ist der Titel „The Eternal Return of Clara Hart“ von Louise Finch zu sehen, dessen Cover einen großen, würfelförmigen Baukörper mit einem tiefen Abgrund und mehreren Treppen zeigt. Im Hintergrund sind kräftige rote und dunkelblaue Bögen zu sehen, während mehrere kleine Figuren auf dem Bauwerk verteilt sind.Louise Finch

The Eternal Return of Clara Hart
Hybride Ausgabe allango

Ernst Klett Sprachen
242 Seiten
ISBN 978-3-12-579803-8

 

 

Es beginnt wie ein halbwegs normaler Tag. Spence geht zur Schule, verkatert. Sein Philosophielehrer Mr Barnes macht sich Sorgen um ihn und behält ihn nach dem Unterricht bei sich; Spence solle zu ihm kommen, wenn er Redebedarf habe. Später lädt Anthony seine Kumpels zu einer Party ein. Als Clara vorbeikommt, lädt er sie ein und verspricht ihr eine Hausführung. Sie lehnt ab, geht weiter und Anthony macht hinter ihrem Rücken eine obszöne Bemerkung. Abends ist die Party in vollem Gange. Clara ist auch da und tanzt im dichten Gedränge. Spence sieht Anthonys Hand auf ihrer Hüfte. Später verteilen sich einige auf die Zimmer im ersten Stockwerk. Clara fällt die Treppe hinunter, hinter ihr erscheint Anthony. Clara will die Party verlassen… sie läuft raus, aber auf der Straße kommt es zu einem schweren Unfall. Auf der Polizeistation muss Spence seine Aussage machen.

Und dann geht alles zurück auf Anfang. Wieder beginnt der „halbwegs normale Tag“.  Spence ist komplett überrumpelt. Da ist Clara, lebendig, unversehrt. Das ist wieder Anthony, der Clara auffordert zu seiner Party zu kommen… Spence versucht, ihn davon abzuhalten. In der Philosophiestunde von Mr Barnes steht „Nietzsche und die Lebensbejahung“ an der Tafel. Spence fragt sich, wie es denn wäre, wenn die Zeit sich immer in Kreisen bewege? Und denkt „Hamster on a universe-sized wheel“ (p. 50). Abends folgt die Party, so als wenn es ein Drehbuch dafür gebe. Der Unfall ist nicht aufzuhalten.

Wieder auf der Polizeiwache will Spence wissen, ob Clara gerettet wird. Nein, sie ist tot.

Die nächsten Zeitschleifen laufen ähnlich ab, aber immer mit signifikanten Unterschieden. James Spencer denkt sich Wege aus, den Tod Claras zu verhindern. Er lässt sich aber nicht treiben, sondern weiß, was mit ihm geschieht: „grief stole my personality“ (p. 69). Und das Verhältnis zu ihr spielt auch eine Rolle, denn es wäre einfacher ihr Leben zu retten, wenn sie Spence nicht hassen würde: vgl. S. 70.

In der vierten Runde nimmt das Wunschdenken Überhand. Clara scheint auf der Party nüchtern zu sein, Hoffnung keimt, dass ihr unversehrt den Absprung gelingen könnte. Er findet ihren Autoschlüssel, aber sie ist schon losgegangen…

Ein neuer Anlauf. War sie nüchtern? Und ist sie trotzdem auf die Straße gelaufen? Ein Ausweg? „I have to understand the pattern of this day“ (S. 104).

Mit jedem neuen Mal werden scheinbare Nebencharaktere immer schärfer, immer deutlicher sichtbar. Auch Anthony. Er ist Spences bester Freund. Er ist doch irgendwie ein korrekter Typ… oder? Dass die Zeit aus den Fugen gerät, gibt Anlass, eigene Welt-, Kommunikations- und Beziehungsbilder zu hinterfragen. Ist da vielleicht eine Chance, Verantwortung zu übernehmen? Gibt es Momente, in denen sich manche hätten anders entscheiden müssen, um Clara nicht in Gefahr zu bringen?

„Things don’t change unlesss I make them change“ (S. 105). Wird Spence die Kontrolle über den Ablauf der Dinge rechtzeitig zurückgewinnen können?

Heiner Wittmann

Auf dem Bild ist der Titel „The Eternal Return of Clara Hart“ von Louise Finch zu sehen, dessen Cover einen großen, würfelförmigen Baukörper mit einem tiefen Abgrund und mehreren Treppen zeigt. Im Hintergrund sind kräftige rote und dunkelblaue Bögen zu sehen, während mehrere kleine Figuren auf dem Bauwerk verteilt sind.