Lesen ist und bleibt eine der zentralen Kompetenzen des Lernens. Doch die Art und Weise, wie junge Menschen Texte aufnehmen, verändert sich rasant. In einer Welt voller TikTok, Chats und Streaming müssen Bücher um Aufmerksamkeit kämpfen. Als Sprachenverlag, der einen großen Fokus auf das Lesen legt, hat Ernst Klett Sprachen dieses Spannungsfeld genauer betrachtet. Passend dazu präsentiert das Verlagshaus neue hybride Angebote, die zeigen, wie Lesen, Medienwechsel und digitale Tools sinnvoll zusammenwirken können.
Lesen als Training für Aufmerksamkeit – auch bei ADHS und Neurodiversität ein Schlüsselthema
Die JIM-Studie 2025 zeigt eindrucksvoll, welche zentrale Rolle mobile Endgeräte aktuell einnehmen. Mit durchschnittlich vier Stunden Bildschirmzeit pro Tag bindet das Smartphone einen erheblichen Teil der kognitiven und zeitlichen Ressourcen von Schülerinnen und Schülern. Die Fähigkeit, sich konzentriert mit Texten auseinanderzusetzen, gilt in einer Aufmerksamkeitsökonomie, die von Reizüberflutung geprägt ist, zunehmend als knappes Gut. Besonders im Unterricht stellt dies Lehrkräfte vor großen Herausforderungen, etwa beim Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit ADHS oder anderen neurodiversen Lernprofilen.
„Wir sehen Lesen nicht als Gegenpol zur Digitalisierung, sondern als Ankerpunkt“, sagt Anne-Sophie Guirlet-Klotz, Redaktionsleiterin der Abteilung Schule Fremdsprachen bei Ernst Klett Sprachen. „Der gezielte Medienwechsel, zum Beispiel vom Lesen zum Hören, kann dabei helfen, Aufmerksamkeit zu bündeln und die Lernmotivation zu steigern.“
Neurodiversität als Chance begreifen
Die zunehmende Heterogenität in Lerngruppen verlangt deshalb nach neuen didaktischen Perspektiven. Der Begriff „Neurodiversität” bedeutet, dass Menschen Informationen auf unterschiedliche Weise wahrnehmen, verarbeiten und ausdrücken. Ein inklusiver Unterricht, der neurodiverse Lernende unterstützt, kommt demnach allen zugute. Daher ist es entscheidend, Lehrmaterialien so zu konzipieren, dass sie unterschiedliche kognitive Verarbeitungswege berücksichtigen. Konkret bedeutet dies: Inhalte in verschiedenen Formaten, differenzierende Aufgaben und vielfältige Zugänge ermöglichen individuelles Lernen und fördern gleichzeitig die Sichtbarkeit von persönlichen Stärken.
Von klaren Visualisierungen über mehrkanalige Zugänge bis hin zu spielerischen Denkroutinen verfolgt Ernst Klett Sprachen das Ziel, Lernende entlang der Unterrichtsmaterialien zu aktivieren und so eine bessere Teilhabe zu ermöglichen. Denn gerade die Vielfalt fördert in der Materialgestaltung die Motivation, die Kooperation und den Lernerfolg.
allango: KI-gestützte Plattform für personalisiertes Lesen
Über die Plattform allango bietet Ernst Klett Sprachen digitale Werkzeuge, die Lehrkräfte im Unterricht entlasten. Die KI-Funktionen ermöglichen personalisiertes Feedback, Textverständnis-Checks und automatisierte Übersetzungen gekoppelt an Wortschatzarbeit – datenschutzkonform und didaktisch in das Unterrichtsmaterial eingebettet. Solche digitalen Lösungen eröffnen neue Chancen für das Lesen im Medienwechsel – besonders für neurodivergente Lernende. Funktionen wie Audio-Vertonung inkl. Text-to-Speech erleichtern das Verständnis, indem sie die kognitive Belastung beim Entziffern von Wörtern reduzieren und mehr Raum für das Textverständnis schaffen. Ergänzend können klare Strukturen, kurze Sätze und barrierefreie Inhalte nach dem Prinzip des Universal Design for Learning Ablenkungen minimieren und die Aufmerksamkeit fördern. Für Lehrkräfte bedeutet das: flexibel anpassbare Inhalte, zeitsparende Vorlagen und einfache Fortschrittskontrolle. Für Schülerinnen und Schüler: Lernen im eigenen Tempo, sofortiges Feedback und eine intuitive Gestaltung, die Frustration reduziert. „Gerade in heterogenen Lerngruppen oder bei Lernenden mit ADHS ermöglicht die Plattform allango ein gezieltes Arbeiten mit Texten. Als Kernkompetenz bleibt dabei das Lesen immer im Fokus.“, stellt Hendrik Funke, Geschäftsführer des Verlagsbereichs Schule bei Ernst Klett Sprachen, klar.
Neue Lesereihe: der Lese-Hör-Krimi
Ein gutes Beispiel ist die neue Lesereihe „Lese-Hör-Krimi“, die Lesetexte mit auditiven Sequenzen und interaktiven Aufgaben kombiniert. Lernende können zwischen Buch, Hörspur und digitalem Feedback wechseln: ein Ansatz, der multisensorisches Lernen fördert und gleichzeitig die Fähigkeit stärkt, sich auf längere Sinneinheiten zu fokussieren.
Digitale Leselösungen werden künftig noch stärker dazu beitragen, individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen und Teilhabe zu sichern. Mit intelligenten Funktionen wie anpassbaren Textformaten, Hervorhebungen und Vorleseoptionen entsteht eine Lernumgebung, die nicht nur das Lesen erleichtert, sondern auch die Motivation und das Selbstvertrauen der Lernenden stärkt. Mit seinen hybriden Formaten setzt der Verlag ein klares Signal: Lesen war noch nie so wichtig wie heute – als Schlüssel zu selbstständigem Denken, auch und gerade im Zusammenspiel mit digitalen Medien und Lernvielfalt.



