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Comics im Deutschunterricht – Pro und Contra

von Rolf Grimm

Comics sind bei Jugendlichen im außerschulischen Bereich beliebt. Doch sind Comics als Türöffner für schwierige, weil von Inhalt und Sprachgebrauch her fremde Texte im Deutschunterricht, geeignet? Können Comics gewinnbringend zur Vorbereitung einer Prüfung eingesetzt werden?

Beispielsweise ist 2022 Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ ein Prüfungstext an Realschulen in Baden-Württemberg.
Die Umwandlung eines Textes/Textausschnitts in einen Comic ist im Repertoire des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts beileibe nicht mehr neu. Wir als Lehrkräfte setzen darauf, dass die grafische Umsetzung zu einer intensiveren Verarbeitung des sprachlich Angebotenen führt und es dabei zu einer höheren emotionalen Ansprache mit entsprechend höherer Motivation kommt. Für den Unterricht empfehlen sich hier die Bücher aus der Reihe „Klassiker trifft Comic“ ganz besonders.

In der Auseinandersetzung mit den Produkten der Schülerinnen und Schüler kann anschließend ein klassischer Text, der zwar vom Thema her sehr aktuell sein kann, dennoch sperrig erscheint, enorm gewinnen, weil die Lernenden ihre Versionen darlegen müssen.
Aber halt! Auch dieser Zugang hat seine Tücken, weil die Aktualität des Mediums nicht automatisch mehr literarisches Verstehen hervorbringt. Auch dieser Weg muss sorgfältig geplant und von den Schülerinnen und Schülern mitgegangen werden. Die Gefahr ist groß, dass diese Comics anders konsumieren und die didaktischen Absichten ins Leere laufen. Diesen Prozess sollte die Lehrkraft aktiv begleiten.
Comics oder einzelne Panels bieten Sprechanlässe und sichern im Vorfeld ein Verständnis des Textes, das es nun zu verifizieren und in ein neues Medium umzuwandeln gilt. Das niederschwellige Eruieren des Vorwissens schafft einen Bezug zur eigenen Erfahrung, kann die Lesebereitschaft erhöhen und das Durchhaltevermögen beeinflussen. Comics helfen bei der Vorstellungsbildung.

„Klassiker trifft Comic“ bietet Panels, die für den Einstieg ins Thema gut geeignet sind:

Wir wiederholen den Inhalt, eine bestimmte Situation, gehen auf eine Person ein, indem wir die bildliche Darstellung als Folie benutzen. Immer wieder werden unsere Lernenden zum Versprachlichen gebracht, immer wieder können wir das Bild, den Originaltext oder die eigene Umsetzung zum Unterrichtsgegenstand machen. Eigene Rezeption und Alternativen können in einem fruchtbaren Austausch diskutiert werden. Dabei hilft die Comicversion vor allem denjenigen Schülerinnen und Schülern, die eine intensive Textarbeit nicht gewohnt sind. Gleichzeitig lässt die Bücher in der Reihe „Klassiker trifft Comic“ noch genügend Freiraum für eigene Vorstellungen, denn die Konsumierung eines Comics im Unterricht ist in diesem Fall nicht vordergründige Absicht. Dem wirkt die Ausgabe von Ernst Klett Sprachen unter anderem auch durch den enthaltenen Originaltext entgegen.

Denn es ist unbestritten: Alle Prüfungsformate der Realschulabschlussprüfung verlangen eine Umsetzung, die sich am Text orientiert. Sicherlich können die Fragen zum Text nur adäquat beantwortet werden, wenn der Prüfling seinen Text kennt. Der Anhang zu Gottfried Keller – Leben und Werk erleichtert zudem die Prüfungsvorbereitung.

Rolf Grimm ist Deutsch-Lehrkraft an einer Realschule in Baden-Württemberg

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