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Warum Lesen den Frieden fördert

Gedanken in einer Zeit des Krieges

von Dr. Ina Nefzer

Seit dem 24. Februar 2022 wird ein Land Tag um Tag zerstört, Menschen in ein immer größeres Unglück gestürzt, Millionen sind auf der Flucht. Verzweifelt, traumatisiert, aus einem Leben gerissen, in das sie so, wie es war, nie wieder werden zurückkehren können. Zu verschulden hat dies eine Haltung, die menschenverachtend und machtbesessen ist, die keine Gnade kennt. Wie können Menschen mit einer solchen Haltung Frieden schließen?

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen und zu verhindern, dass aus Nachbarn Feindbilder werden, gibt es eine Möglichkeit: das Lesen. Denn wer Geschichten und Romane liest, lässt sich faszinieren vom Leben eines anderen. Taucht ein in das Erleben einer zuvor völlig fremden Figur, lernt ihre Welt, ihre geheimsten Gedanken kennen. Übernimmt deren Perspektive. Schlüpft in deren Rolle.

Menschen, die lesen, interessieren sich für andere Menschen. Mit ihren Vorstellungen und Gedanken verlebendigen Leser und Leserinnen fiktive, ausgedachte Welten. Wie ein Kinofilm läuft das Gelesene vor dem inneren Auge ab. Durch diese imaginäre und emotionale Beteiligung während der Lektüre wird das Gelesene Teil des eigenen Selbst, ja der eigenen Biografie. Wer erinnert sich nicht an Lebensphasen durch die in dieser Zeit gelesenen Bücher?

Die von kunstvoll geschriebenen Zeilen initiierten Vorstellungsbilder bleiben bei uns und das Wichtigste: sie stärken unsere Empathiefähigkeit und eine Haltung, die dem Leben der anderen Respekt zollt. Denn nicht zuletzt durch das Lesen wissen wir, wie ähnlich wir einander sind. Das Wir ist beim Lesen entscheidend. Dieses Wir führt zu Frieden.

Mein Fazit zum Einsatz von Lapbooks im Literaturunterricht ist von daher sehr positiv. Das Erstellen eines Lapbooks motiviert die Schülerinnen und Schüler, das Buch gründlich zu lesen und produktiv damit umzugehen. Sie bringen ihre eigenen Ideen mit ein und werden durch Wertschätzung ihres Lapbooks bestärkt, sich weiter mit Büchern zu beschäftigen.

Dr. Ina Nefzer ist promovierte Germanistin mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendliteratur und arbeitet derzeit als Akademische Mitarbeiterin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der PH Ludwigsburg.


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