Gaël Faye (* 1982) stammt aus Bujumbura in Burundi. Der Roman Jacaranda hat seinem Autor durch die Erinnerung an den Völkermord in Ruanda einen sehr bemerkenswerten Erfolg verschafft.

Milan vDas Cover zeigt einen blühenden Jacaranda-Baum mit violetten Blüten vor einem türkisblauen Hintergrund. Im Vordergrund steht der Titel „Jacaranda“ in weißer Schrift, ergänzt durch den Namen der Autorin und das Klett-Logo.erbringt seine Kindheit in Versailles. Als seine Mutter Claude, einen Jungen aus ihrem Heimatland Ruanda, aufnimmt, freut sich Milan über den neuen kleinen Bruder. Die Freude ist aber nur von kurzer Dauer. Claude kehrt zurück nach Ruanda und Milans Mutter spricht noch immer nicht über ihre Vergangenheit. 1998 reist Milan mit seiner Mutter zum ersten Mal auf den Spuren ihrer Familie nach Ruanda und kehrt mehrmals für immer längere Aufenthalte dorthin zurück.

Nicht allein die Geheimnisse, die Gaël Faye Milan dort entdecken lässt, nicht die Vielfalt und alles Neue, was Milan in Ruanda kennenlernt, sichern die Spannung, die in diesem Roman den Leser in Atem hält. Es ist auch der Stil und vor allem der geschickte Aufbau der ganzen Erzählung, die sich in 30 Kapiteln, über einen Zeitraum von 16 Jahren erstreckt, die den Leser an der Identitätssuche Milans teilhaben lassen.

Nach und nach entdeckt Milan aufgrund der Berichte der Personen, mit denen er in Ruanda zusammentrifft, die Erinnerungen an die unfassbaren Gräueltaten während des Völkermords in Ruanda. 1994 wurden in rund 100 Tagen ungefähr 800.000 Menschen, vor allem Tutsi von radikalen Hutu-Milizen und Teilen der von den Hutu dominierten Armee, ermordet.

Die Personen, vor allem die Mitglieder der Familie seiner Mutter, werden Milan bei seinen Reisen immer vertrauter. Unter ihnen ist Stella, geboren 1994, der Tochter von Eusebia, einer Freundin von Milans Mutter.

Stella liebt es, sich auf den Jacaranda zurückzuziehen. Dieser Baum hat violett-blaue Blüten und kann mehrere Meter hoch werden. In diesem Buch dient er als Schutz und Rückzugsort, auf dem Stella sich beschützt fühlt, besonders nach dem Tod von Rosalie ihrer Urgroßmutter. Stella repräsentiert die Generation nach dem Genozid, die die Ereignisse nicht selbst erlebt hat, aber mit den Traumata und dem Schweigen der nachfolgenden Generationen aufwächst.

Gaël Faye ist ein französisch-ruandischer Schriftsteller, Rapper und Musiker. Er wurde 1982 in Burundi geboren und hat eine ruandische Mutter und einen französischen Vater. Für seinen Roman Jacaranda erhielt er 2024 den Prix Renaudot, einen wichtigen französischen Literaturpreis.

Heiner Wittmann

Das Cover zeigt einen blühenden Jacaranda-Baum mit violetten Blüten vor einem türkisblauen Hintergrund. Im Vordergrund steht der Titel „Jacaranda“ in weißer Schrift, ergänzt durch den Namen der Autorin und das Klett-Logo.