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Zum Welttag des Buches 2021: Wie wird mein Kind zur Leserin oder zum Leser?

(c) GettyImages: Milan_Jovic
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von Michaela Strobel

Lesen fängt in der Familie an

“Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.”
– Helen Hayes – (Schauspielerin)

So wie das Laufen lernen ist auch das Lesen lernen und erst recht der Weg zum Buch ein langer Prozess, bei dem es viel Unterstützung, Geduld und immer wieder Motivation braucht. Ihr Kind beim Laufen lernen zu unterstützen ist für Eltern eine Selbstverständlichkeit. Beim Lesen lernen sollte das genauso sein. Gerade zum Welttag des Buches sind daher ein paar Hinweise zur Leseförderung von Bedeutung.

Lange bevor ein Kind in die Schule kommt, wird der Grundstein zur Freude am Lesen gelegt. Lesesozialisation findet dabei in erster Linie in der Familie statt. Eltern sind Vorbild im Umgang mit Büchern, sie lesen ihren Kindern Geschichten vor  und schaffen im besten Fall eine Atmosphäre, in der Lesen als angenehm empfunden wird.

Unterstützung bei kritischen Zeitpunkten in der Leseerziehung

Übergang vom Vorlesen zum Selberlesen

Schulanfängerinnen und -anfänger kommen häufig hoch motiviert in die Schule. Sie wollen lesen lernen. Und das sofort. Das ist es, was sie im Wesentlichen mit dem Schuleintritt verbinden. Vor ihnen liegt jedoch ein langer Weg. Seinen Abschluss findet der Leselernprozess laut Bildungsplan mit Ende der 2. Klasse. So lange gilt es begleitend den Motivationsbogen immer gespannt zu halten.

Schnell wird Lesen, gerade von Leseanfängerinnen und -anfängern, als anstrengend empfunden. Oft hört man die Aussage „Lesen mag ich nicht“ was nichts anderes heißt als „Lesen kann ich nicht“. So entsteht ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Das daraus resultierende negative Selbstbild muss durch ein positives abgelöst werden.

Mindmap zum Lesen

Dies kann zum Beispiel durch das Sichtbarmachen von Gelesenem, etwa in einer Mindmap, geschehen. Das Kind, trägt darin alles ein, was es liest wie kleine Notizen, Lesespiele, digitale Medien oder Kinderzeitschriften.
Entscheidend ist nicht, was gelesen wird, sondern wie viel. Nur ein Vielleser wird ein guter Leser. Denn nur, wenn man etwas oft und gern macht, wird man darin auch gut. Quantität geht in dieser Phase vor Qualität.
Der Übergang vom Vorlesen zum Selberlesen sollte deshalb sensibel mit viel Unterstützung, Vereinfachung, Spaß und wiederkehrender Motivation begleitet werden.

So kann der Übergang gelingen:

  • Auswahl von Erstlesebüchern mit einfachen Texten
  • Kinderzeitschriften wie beispielsweise GEOlino mini (Gruner + Jahr), Olli und Molli (Sailer Verlag) – bieten kurze interessante Sachtexte
  • Das Kind beim Lesen nicht allein lassen
  • Über das Gelesene gemeinsam sprechen, Fragen stellen, Neugier wecken
  • Unterstützung anbieten bei schwierigen Sätzen oder Abschnitten
  • Vorlesen und selbst lesen sich abwechseln lassen

Leseknick nach der 2. Klasse

Der Übergang vom Anfangsunterricht zum weiterführenden Lesen findet nach der 2. Klasse statt. Diese Phase stellt einen weiteren wichtigen Schritt zum Leser/zur Leserin dar. Das Kind kann nun alleine lesen. Es kann lesen, was es interessiert. Es wird zunehmend unabhängiger.
Die meisten Kinder brauchen dennoch Begleitung insbesondere bei der Auswahl der Lektüre. Schnell überfordern sie sich dabei. Dies führt unweigerlich zu Lesefrust.

Kriterien für die Auswahl der Lektüre

  • Interesse des Kindes
    Thematische Leseempfehlungen findet man unter diesem Link.
  • Altersangemessenheit
    Nach Altersgruppen geordnete Leseempfehlungen finden Sie hier.   
  • Erfahrungsbereich des Kindes
  • Übersichtlichkeit des Textes was Umfang und Darstellung angeht
  • Kontext muss erkennbar sein, z. B. durch Bilder
  • Gut lesbare Schrift, möglichst ähnlich der Fibelschrift
  • Kurze Sätze
  • Einfache, möglichst kurze Wörter
  • Früher Zeilenumbruch

Kinder sollten immer das Gefühl haben, dass sie das, was sie sich vorgenommen haben auch bewältigen können. Unterforderung ist immer besser als Überforderung.
So kann der Aufbau eines positiven Lese-Selbstkonzepts gelingen. Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum engagierten und motivierten Leser ist getan.
Zwar wird die Technik des Lesens in der Schule vermittelt, doch der Grundstein wird im Elternhaus gelegt. Durch einfache Maßnahmen und ritualisiertem Lesen kann der Prozess wesentlich unterstützt werden. Kinder brauchen Zugang zu geeignetem Lesestoff, einen begeisterten Leser an ihrer Seite und motivierende Maßnahmen, die den Weg zum Buch begleiten und erleichtern. Wenn sie erst einmal entdecken, dass sie Flügel haben, werden sie von ganz alleine fliegen. 

Michaela Strobel ist Grundschullehrerin mit Schwerpunkt schulische und außerschulische Leseförderung sowie Leseförderung im DaZ-Bereich.

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